Kategorie Tipp Gesundheit Hilfsmittel

Unterstützung für Patienten, die nicht sprechen können

Von: Kristin Enge

Im vergangenen Herbst lag der 76-jährige Vater von Maria W. auf der Intensivstation. Erst wurde er intubiert, später bekam er einen Luftröhrenschnitt, sodass er nicht sprechen konnte. Kommunikationshilfen erleichterten die Verständigung.

Jemand bedient eine App zur Sprachassistenz auf einem Tablet.
Mit diesem Sprachassistenten lassen sich gespeicherte Wörter und Phrasen auswählen oder eigene Sätze erstellen. © privat

Sprachassistenz-Apps können helfen

„Wir waren völlig verzweifelt, weil wir nicht verstanden haben, was mein Vater wollte“, erzählt Maria W. (Name ist der Redaktion bekannt). Er hätte versucht, mit einem dicken Stift auf Papier zu schreiben. Aber seine Hände zitterten so stark, dass sie die Schrift kaum entziffern konnten. Mit der Tastatur auf dem Smartphone kam er nicht zurecht, weil sie zu klein war. „Er hat sogar versucht, Buchstaben in die Luft zu schreiben“, erinnert sich Maria W. 

Eine kostenfreie App – ein Sprachassistent für Menschen, die aufgrund von Erkrankungen oder Behinderungen nicht sprechen können – half weiter. In der App, die sich auf einem Tablet installieren lässt, sind kurze Sätze gespeichert, eigene können ergänzt werden. Diese lassen sich über Schaltflächen auswählen, auf denen beispielsweise Redewendungen wie „Bauch tut weh“, „Unterschreiben“ oder „Stuhlgang“ zu lesen sind. Zusätzlich zur App installierte Maria W. eine Seniorentastatur. Sie verfügt über größere Buchstaben, sodass der 76-Jährige selbst kurze Sätze schreiben konnte. „Das hat es uns den Austausch etwas erleichtert“, so Maria W. 

Alternativ können sogenannte Kommunikationstafeln in Papierform verwendet werden. Sie zeigen beispielsweise Bilder für „Ja“ und „Nein“, „Gut“ und „Schlecht“, für Aussagen wie „Ich habe Angst“, „Ich habe Schmerzen“ oder bestimmte Körperstellen. In der Praxis wird zudem auf non-verbale Zeichen wie Gebärden oder Blinzelcodes zurückgegriffen.

Kostenübernahme für Sprach-Hilfsmittel

Je nach Erkrankung oder Behinderung übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für Hilfsmittel zur Kommunikationsverbesserung. Dafür muss das genutzte Hilfsmittel im Externer Link:Hilfsmittelverzeichnis gelistet sein und bei der Krankenkasse beantragt werden.

Was sich am besten zur Verständigung eignet, hängt von der Art der Erkrankung oder Behinderung, vom Alter und den technischen Kompetenzen der Betroffenen ab. Manchmal handelt es sich um Kinder, die Sprache noch nicht erworben haben, wie etwa bei einer Autismus-Spektrum-Störung, oder um Erwachsene, die ihr Sprachverständnis bei einer Aphasie nach einem Schlaganfall verloren haben. Auch Fälle wie der des 76-Jährigen, der nach einem Luftröhrenschnitt nicht sprechen konnte, sind typisch. Es lohnt sich, im Krankenhaus nachzufragen oder sich bei bekannten Sprachproblemen auf den Aufenthalt dort vorzubereiten.

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