Kategorie Aktuelle Meldung| Soziale Gerechtigkeit| Armut & Umverteilung
Bürgergeld: Sammelbecken für Menschen in Problemlagen
Von: Julia Frediani
Kritikerinnen und Kritiker fordern immer mal wieder, dass die Regelsätze des Bürgergelds zu senken. Doch wer erhält eigentlich Bürgergeld? Und wen würden solche Kürzungen treffen?
Das Bürgergeld ist die Sozialleistung für Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht komplett allein bestreiten können. In Deutschland gibt es rund 5,6 Millionen Bürgergeld-Empfängerinnen und -Empfänger in sehr unterschiedlichen Lebenslagen. Zwischen Arbeiten, dem Warten auf die Alters- oder die Erwerbsminderungsrente oder dem Suchen nach der passenden Reha-Maßnahme liegen Welten.
Keine Differenzierung in der öffentlichen Debatte
In der öffentlichen Debatte gibt es viel zu oft keine Differenzierung zwischen all diesen Gruppen. Etwa 810 000 Menschen im Bürgergeldbezug arbeiten in schlecht bezahlten Jobs im Niedriglohnsektor. Die Gehälter reichen häufig zum Leben nicht aus, die Menschen stocken dann mit Bürgergeld auf. Die Betroffenen können häufig aufgrund unzureichender Qualifikationen nicht in besser bezahlte Jobs vermittelt werden.
Dazu kommen rund 550 000 Alleinerziehende, deren Lohn nicht für ihre Bedarfe und die ihrer Kinder ausreicht. Daher können sie Leistungen aus dem Bürgergeld beantragen, in vielen Fällen, weil die Ex-Partner keinen Unterhalt zahlen.
Es geht keineswegs nur um die, die nicht arbeiten wollen. Wer Kürzungen im Bürgergeld fordert, der trifft viele Menschen, für die es andere Absicherungssysteme bräuchte. Die immer gleichen Debatten, in denen alle in eine Schublade gesteckt werden, erzeugen bei den Betroffenen vor allem Unzufriedenheit, Frust und Wut. Diese Gefühle sind Gift für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Das wirksame Gegengift könnten andere Fragen sein: Welche Unterstützung brauchen Menschen, um im Arbeitsmarkt zu bestehen? Insbesondere Menschen mit geringeren Qualifikationen, schlechteren Sprachkenntnissen oder einer Behinderung, damit sie einen Job finden.
Ältere und Kranke
Im Bürgergeldbezug stehen auch rund 165 000 schwerbehinderte Menschen, die häufig auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden. Ältere und erkrankte Personen sind oft im Bürgergeld, weil sie nicht schnell genug eine Reha-Maßnahme oder eine Umschulung erhalten. Auch während der langen Wartezeit auf die Genehmigung der Erwerbsminderungsrente rutschen viele Betroffene ins Bürgergeld.
Viele Leistungsempfänger gehören nicht ins Bürgergeld, weil sie nicht arbeitslos sind. Dazu zählen rund 1,6 Millionen Kinder und Jugendliche, sie sollten über eine separate Kindergrundsicherung abgesichert werden. Auch pflegende Angehörige, die nicht mehr arbeiten können, benötigen statt des Bürgergelds eine Lohnersatzleistung für ihre Pflegetätigkeit.
Grundsicherung im Alter
Wenn die Alters- oder die Erwerbsminderungsrente nicht ausreicht, betragen viele Betroffene die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, eine Art Bürgergeld für Menschen, die dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen. Hier gelten die gleichen Regeln wie im Bürgergeld, was die Höhe der Regelsätze und die Übernahme der Wohnkosten betrifft.
Das bedeutet auch: wer Kürzungen beim Bürgergeld fordert, trifft genauso diese Rentnerinnen und Rentner mit wenig Geld, Erwerbsgeminderte und Menschen mit Behinderung.
Auch interessant
Kategorie Aktuelle Meldung| Soziale Gerechtigkeit| Armut & Umverteilung
Armutszahlen auf hohem Niveau
Kategorie Aktuelle Meldung| Rente
Immer mehr Ältere arbeiten
Kategorie Aktuelle Meldung| Armut & Umverteilung| Pflegeversicherung
Bürgergeld: Kosten in der GKV gerecht verteilen
Verwandte Inhalte
Video-Beitrag
Kategorie Soziale Gerechtigkeit| Armut & Umverteilung
Wege aus dem Bürgergeld: Wie wir die Zahl der Bürgergeldempfänger verringern können | Klipp & Klar
Video-Beitrag
Kategorie Soziale Gerechtigkeit| Armut & Umverteilung
Wer sind die 5,5 Millionen Menschen, die Bürgergeld bekommen? | Klipp und Klar
Wir benötigen Ihre Zustimmung für den Einsatz von Cookies
Um unsere Website im Sinne der Nutzerfreundlichkeit, Effektivität und Sicherheit für Sie zu optimieren, verwenden wir Cookies. Das sind kleine Textdateien, die auf Ihrem Computer, Laptop, Tablet oder Smartphone abgelegt und in Ihrem Browser gespeichert werden.
Einige Cookies sind technisch für den Betrieb unserer Websites notwendig. Weitere Cookies dienen der anonymen Webanalyse oder ermöglichen erweiterte Funktionen und Services. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Sie entscheiden, welche Cookies zum Einsatz kommen sollen, wenn Sie die Website des VdK nutzen, und welche nicht. Bitte beachten Sie, dass Ihnen je nach Auswahl gegebenenfalls nicht mehr alle Funktionen unseres Webangebots zur Verfügung stehen.
Diese sind für den Betrieb unserer Websites technisch notwendig und immer aktiviert. Hierzu zählen z.B. sogenannte Session-Cookies, die nach Ende Ihres Besuchs automatisch gelöscht werden.
Mit Hilfe der Tracking-Cookies erheben wir statistische Daten über die Nutzung unserer Website. Die Software Matomo ist dafür auf unseren eigenen Servern installiert. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Die Analyse dieser Daten ermöglicht es uns, unser Webangebot für Sie weiterzuentwickeln und ständig zu verbessern.
Sämtliche Daten für Statistiken und Analysen erfassen wir anonymisiert, dazu wird u.a. Ihre IP-Adresse verfremdet.
Mit unseren Videos möchten wir Sie über unsere Angebote informieren. Wir binden diese Videos von unseren eigenen YouTube-Kanälen im erweiterten Datenschutzmodus ein. YouTube ist ein Plattform-Dienst der Google Inc., 1600 Amphitheatre Parkway, Mountain View, CA 94043, USA.
Sie können Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern und die Änderung durch erneutes Laden der Internetseite aktivieren.
Um Ihnen erweiterte Funktionen und Services auf unseren Websites anzubieten, betten wir auf unseren Internetseiten ausgewählte Inhalte von Fremdbetreibern bzw. Dienstleistern ein. Dies betrifft insbesondere einige Formulare.
Sie können Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern und die Änderung durch erneutes Laden der Internetseite aktivieren.
Wir nutzen den Dienst des Anbieters Podigee GmbH, Schlesische Straße 20, 10997 Berlin, Deutschland. Die Podcasts werden von Podigee geladen bzw. über Podigee übertragen.
Die Nutzung erfolgt auf Grundlage unserer berechtigten Interessen, das heißt Interesse an einer sicheren und effizienten Bereitstellung, Analyse sowie Optimierung unseres Podcast-Angebotes gemäß Artikel 6 Absatz 1 lit. f. DSGVO.
Podigee verarbeitet IP-Adressen und Geräteinformationen, um Podcast-Downloads/ Wiedergaben zu ermöglichen und statistische Daten, z.B. Abrufzahlen zu ermitteln. Diese werden vor der Speicherung in der Datenbank von Podigee verfremdet, sofern sie für die Bereitstellung der Podcasts nicht erforderlich sind.