Kategorie Aktuelle Meldung Gesundheit Reha

Geriatrische Reha in Gefahr

Von: Annette Liebmann

Eine geriatrische Reha ist speziell auf die Bedürfnisse Älterer ausgerichtet und soll Pflegebedürftigkeit nach Erkrankung oder Unfall vermeiden. Doch es gibt immer weniger Rehaplätze – dabei wird der Bedarf in der Zukunft stark steigen.

Ein älterer Mann sitzt auf einer Liege in einer Praxis, er macht eine Übung mit einem gelben Thera-Band. Eine ältere Frau im weißen Kittel, die wie eine Physiotherapeutin aussieht, spricht mit ihm.
© IMAGO / Panthermedia / Andrey Popov

Nicht auf die Babyboomer vorbereitet

Die Generation der Babyboomer kommt in die Jahre. Etwa 1,2 Millionen Menschen jährlich werden bis 2030 das 65. Lebensjahr erreichen. Je älter die Bevölkerung wird, desto größer wird der Bedarf an medizinischen Leistungen. Doch die altersmedizinische Versorgung stagniert und geht in manchen Bereichen sogar zurück.

„Die Bettenanzahl in der stationären Rehabilitation ist leicht gesunken, während die Zahl der Plätze in der ambulanten geriatrischen Rehabilitation auf niedrigem Niveau stagniert“, erläutert Dirk van den Heuvel, Geschäftsführer des Bundesverbands Geriatrie (BVGkurz fürBundesversorgungsgesetz). „Daraus kann man nur den Schluss ziehen, dass die medizinische Versorgung derzeit noch nicht auf die Babyboomer vorbereitet ist.“

Unterfinanzierung und Fachkräftemangel

Dafür gibt es mehrere Gründe. Schon lange hat die geriatrische Externer Link:Reha mit Unterfinanzierung zu kämpfen. Um Ältere wieder fit zu machen, arbeiten Ärztinnen und Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen eng mit Pflegekräften, verschiedenen Therapeutinnen und Therapeuten sowie weiteren Akteuren zusammen. Das ist personalintensiv und teuer, zumal es in den vergangenen Jahren mehrere Tariferhöhungen gegeben hat. 

Viele Kliniken konnten jahrelang nur geringe oder gar keine Erhöhungen der Vergütungssätze aushandeln. Die Corona-Pandemie hat die Situation noch verschärft. Zwar hat der Gesetzgeber mittlerweile Schiedsstellen eingerichtet, doch die Finanzierungslücken bleiben bestehen. Im Moment arbeiten die meisten Anbieter nicht kostendeckend. „In vielen Kliniken herrscht schon seit Jahren eine angespannte finanzielle Situation und ein deutlicher Investitionsstau“, erklärt van den Heuvel. Manche Einrichtungen mussten bereits Betten abbauen oder sogar komplett schließen. Auch der anhaltende Fachkräftemangel in der Pflege macht den Kliniken zu schaffen. 

Drei Viertel der Reha-Einrichtungen sind ausgelastet

Laut BVGkurz fürBundesversorgungsgesetz sank die Zahl der belegten Betten in der stationären Reha von 4572 im Jahr 2019 auf 4242 im Jahr 2024. Die Ursache dafür sei nicht etwa ein Rückgang des geriatrischen Behandlungsbedarfs, so der Verband, sondern sinkende Versorgungskapazitäten. Denn fast drei Viertel der Einrichtungen sind fast oder voll ausgelastet. 

Knapp 90 Prozent haben zum Teil lange Wartezeiten für die Aufnahme neuer Patientinnen und Patienten. In der ambulanten geriatrischen Reha blieb die Zahl der Plätze mit 221 (2019) zu 224 Behandlungsplätzen (2024) in etwa gleich, wobei jedoch 224 Plätze für bundesweit 16,7 Millionen Menschen über 65 Jahre bei weitem nicht ausreichen.

„330 Betten weniger in der stationären Reha – das klingt erst einmal nicht schlimm“, sagt der BVGkurz fürBundesversorgungsgesetz-Geschäftsführer. „Aber der tatsächliche Bedarf an geriatrischen Rehaplätzen ist schon jetzt wesentlich höher und wird in den kommenden Jahren rasant steigen.“ 

Was fordert der VdK zum Thema?

Das Potenzial von geriatrischen Rehas, um Externer Link:Pflegebedürftigkeit zu verhindern, wird derzeit kaum genutzt. Dabei haben ältere Patientinnen und Patienten einen Rechtsanspruch. Der Sozialverband VdK fordert, dass dieser auch umgesetzt wird. Zwar werden bei Hochbetagten komplizierte medizinische Eingriffe durchgeführt, wenn sie aber im Anschluss eine Heilbehandlung benötigen, gibt es kaum Plätze. Sie fallen in ein „Reha-Loch“, das die Wiedergewinnung ihrer Fähigkeiten gefährdet. Insbesondere Menschen mit höherem Pflegeaufwand finden meist keine freien Plätze.

Der VdK fordert, dass es klar erkennbar sein muss, welcher Kostenträger für die Reha zuständig ist, damit sich Patientinnen und Patienten im Behördendschungel zurechtfinden. Das geriatrische Reha-Angebot soll aufrechterhalten und ausgebaut, die ambulanten und mobilen Strukturen sollen gestärkt werden. 

Weiterhin fordert der VdK, die Trennung zwischen Geriatrie im Krankenhaus und geriatrischer Reha aufzuheben. Ziel ist eine flächendeckende, wohnortnahe Versorgung in der Geriatrie. Demenzkranke Menschen und deren Angehörige sollen fachlich und ethisch fundiert versorgt werden.

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