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Delmenhorster-Kreisblatt "Hellwach ohne Sekundenschlaf": Zu diesem Slogan informierten Jürgen-Dieter Paulus, Hans-Hermann Töpken, Jens Neumann und Hubert Gregor gestern Berufsfahrer an der A28. Ausgabe vom Donnerstag, 06. April 2006 Sekundenschlaf am Steuer: Berufsfahrer wachgerüttelt Aktionstag von VdK-Fachverband Schlafapnoe und Polizei an Raststätte Hasbruch 15 Stunden Arbeitszeit sind am Tag zulässig. Fast jeder zweite Fernfahrer ist schon einmal am Steuer seines Lastwagens eingenickt. Von Torsten Heidemann Ganderkesee. "Ich wollte mir doch nur kurz ’ne Bockwurst holen." Kraftfahrer Benjamin Husen staunte gestern nicht schlecht, als er auf der Raststätte Hasbruch von Polizei, Vdk-Fachverband Schlafapnoe sowie Fernsehen und Printmedien empfangen wurde. Die bundesweite Aktion "Hellwach ohne Sekundenschlaf" machte Berufsfahrer auf eine noch ziemlich unbekannte Krankheit aufmerksam: Schlafapnoe (siehe unten). "Chronische Schlafstörungen lösen mehr Unfälle aus als Alkohol und Drogen. Das Gefährliche daran ist, dass man selbst nicht weiß, ob man betroffen ist", sagte Hans-Hermann Töpken von der Schlafapnoe-Selbsthilfegruppe Oldenburg und Umland. Um Gewissheit zu bekommen, sei ein so genanntes Screening notwendig, das in die arbeitsmedizinische Untersuchungen integriert werden könnte. Ein zweiter Kraftfahrer, Peter Muthig, berichtete gestern, dass das Thema "Schlaf am Steuer" unter den Kollegen anders diskutiert werde. "An den Unfällen, die mit dem Einschlafen zu tun haben, sind die zu langen Lenkzeiten schuld", so der 42-Jährige in seiner Pause zwischen Emden und Braunschweig. 15 Stunden Arbeitszeit pro Tag sind zulässig. "Davon fahren wir in der Regel neun bis zehn. Es wäre schon viel erreicht, wenn die 15-Stunden-Grenze auf zwölf abgesenkt werden würde", meinte Peter Muthig. Nach einer Studie der Uni Tübingen ist im Jahr 2003 fast jeder zweite Fernfahrer schon einmal am Steuer seines Lastwagens eingenickt. Gestern bekamen die Berufsfahrer an insgesamt 50 Stationen deutschlandweit jeweils einen Fragebogen zur Tagesschläfrigkeit in die Hand. Die Wahrscheinlichkeit einzunicken, bewertete Peter Muthig beim Lesen im Sitzen oder beim Fernsehen als gering. Als Beifahrer oder bei einer Pause im Straßenverkehr würde er niemals einnicken. So sieht es auch Berufskollege Benjamin Husen, der auf dem Weg nach Kassel zu einem gefragten Interviewpartner avancierte. Nach den Fragen gönnte er sich dann seine ersehnte Bockwurst. -------------------------------------------------------------------------------- Schlafapnoe – die unbekannte Krankheit Schlafapnoe ist eine chronische Schlafstörung. Die weitgehend unbekannte Krankheit mit bis zu 300 Atemaussetzern pro Nacht betrifft etwa fünf Prozent der Erwachsenen. Die wichtigsten Symptome sind lautes Schnarchen, ständige Müdigkeit, übermäßige Tagesschläfrigkeit und gesteigerte Reizbarkeit. Wird diese Krankheit nicht behandelt, kommt es häufig zu schweren Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall sowie zu Unfällen durch den gefürchteten Sekundenschlaf. Krankenkassen übernehmen die Kosten für Atemtherapiegeräte, die Berufsfahrer mit in ihre Kabine nehmen können. NWZ Toter Punkt kann am Steuer tödlich sein sekundenschlaf VdK-Schlafapnoe-Selbsthilfegruppe und Polizei klären LKW-Fahrer über Gefahren auf Selbst das Fernsehen kam, als LKW-Fahrer Benjamin Husen von Polizist Jens Neumann sowie Hubert Gregor und Jürgen-Dieter Paulus (beide Schlafapnoe-Selbsthilfegruppe) über die Krankheit aufgeklärt wurde. Die LKW-Fahrer erhielten gestern Informationsmaterialien. Darin stand u.a., dass in Deutschland Sekundenschlaf der Grund jedes dritten Unfalls sei. Ursachen des Sekundenschlafes seien neben kurzfristigem Schlafmangel oder zu langer Lenkzeiten chronische Schlafstörungen wie "Schlafapnoe". Bei Betroffenen treten nachts Atemaussetzer auf. Die Folge: "Der Körper wird alarmiert und findet keine Ruhe". Zusätzlich wurde ein Fragebogen zur Tagesschläfrigkeit ausgeteilt. Darauf mussten die LKW-Fahrer bewerten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit des Einnickens zum Beispiel sei, "wenn sie sitzen und sich unterhalten" oder "wenn sie als Autofahrer verkehrsbedingt einige Minuten anhalten müssen". In Ganderkesee trifft sich eine Schlafapnoe-Selbsthilfegruppe stets am letzten Mittwoch des Monats von 19 bis 21 Uhr im Schützenhof. Kontakttelefon: 04222/8785 (Jürgen-Dieter Paulus). SHG-Schlafapnoe-Ganderkesee einmal im Monat trifft sich Gruppe in ganderkesee Die Aktion fand an der Autobahnraststätte Hasbruch statt. Die angesprochenen Fahrer fanden sie gut. Von Alexander Schmolke Hasbruch - Benjamin Husen war gestern Vormittag auf dem Weg nach Kassel und wollte sich um 10.30 Uhr an der A-28-Raststätte Hasbruch schnell eine Bockwurst holen. Daraus wurde nichts: Kaum war er aus seinem LKW ausgestiegen, sah er sich zwei Kamerateams, drei Fotografen und mehreren Reporten gegenüber. "Was ist denn hier los?", fragte der 23-Jährige verwundert. Die Antwort: Die Polizei und die VdK-Schlafapnoe-Selbsthilfegruppe (SHG) klärten gestern Berufskraftfahrer bundesweit über das Thema Sekundenschlaf auf und verteilten Informationsmaterial (siehe Info-Kasten). An der Raststätte Hasbruch hatten der Ganderkeseer Jürgen-Dieter Paulus und seine Mitstreiter Hans-Hermann Töpken und Hubert Gregor (Schlafapnoe-SHG Oldenburg und Umland) einen kleinen Info-Stand aufgebaut. Ein Schild mit der Aufschrift "Sekundenschlaf! Der tote Punkt kann tödlich sein" sollte die Fahrer auf die Aktion aufmerksam machen. "Ich denke, es ist wichtig, die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren", so Paulus. Benjamin Husen fand die Aktion gut. Er selbst hatte von Schlafapnoe bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts gehört. "Es ist wichtig, darüber Bescheid zu wissen", meinte der LKW-Fahrer - auch wenn er beim Schlafen bislang keine Probleme habe. Ähnlich sah es sein Berufskollege Peter Muthig. Er wolle sich die Informationen in aller Ruhe durchlesen und vielleicht auch mit Kollegen darüber sprechen, sagte der 42-Jährige, der gerade von Emden in Richtung Braunschweig unterwegs war. Zufrieden mit der Aktion zeigte sich auch Jens Neumann von der Polizeidirektion Oldenburg. Statistisch sei zwar nicht erfasst, wie viele der durch Sekundenschlaf verursachten Unfälle auf Schlafapnoe zurückzuführen seien - dennoch sei Präventionsarbeit in diesem Bereich sehr wichtig. Zu dieser Erkenntnis sei er jedoch erst gelangt, nachdem er die SHG-Info-Materialien durchgelesen habe, räumte Neumann ein. "Vorher habe ich über diese Krankheit auch nicht viel gewusst." Delmenhorster-Kurier Gestörter Nachtschlaf kann sich am Steuer rächen Mitglieder der Apnoe-Selbsthilfegruppe suchten auf der Raststätte Hasbruch das Gespräch mit Berufskraftfahrern GANDERKESEE (FR). Plötzliches Einschlafen am Steuer - viele Berufskraftfahrer wissen um diese Gefahr, aber wenig über die medizinischen Hintergründe. Mitglieder der Schlafapnoe-Selbsthilfegruppe (SHG) trugen das Thema gestern auf der Raststätte Hasbruch an die Brummi-Kapitäne heran. Die Aktion wurde von der Polizei unterstützt. Bei der Schlafapnoe handelt es sich um eine noch weitgehend unbekannte Krankheit. Der Nachtschlaf der Betroffenen ist chronisch gestört, tagsüber kann es dann allerdings zu unkontrollierbarem Einschlafen kommen. Die Informationen der SHG lösten bei den Berufskraftfahrern zum Teil Erstaunen aus. So bemerkte Benjamin Husen, 25 Jahre alt, seit acht Jahren Berufskraftfahrer, doch etwas überrascht: "Ich wusste gar nicht, dass es dagegen eine Therapie gibt, aber ich habe zum Glück einen beruhigten Schlaf." Würden Kollegen, die unter Schlafstörungen leiden, aus Angst vor dem Verlust ihres Jobs bei ärztlichen Untersuchungen lieber nichts davon erzählen? Das könne er nicht ausschließen, sagte Husen, schließlich sei das ein "heißes Pflaster". Der Berufskraftfahrer Peter Muthig, 42 Jahre alt, bereits seit zehn Jahren in dem Berufsfeld tätig und gerade auf dem Weg von Emden nach Braunschweig, räumte zwar ein: "Es kommt immer wieder mal vor, dass man müde wird, aber ob man sich dann hinlegt oder nicht, ist ja jedem Fahrer selbst überlassen." Allerdings meinte er auch, er habe die zulässige Fahrzeit noch nie überschritten und könne darum auch keinerlei Auskunft über die sonst entstehende Strafe geben. Angst vor Jobverlust wegen Schlafstörungen hat er nicht. Der holländische Berufskraftfahrer Douwe Haak, der mit 36 Jahren bereits sechzehn Jahre Berufserfahrung besitzt, vertrat die Ansicht, dass man stets vor Augen haben müsse, für andere Verkehrsteilnehmer zu einer Gefahr werden zu können. Er würde einer ärztlichen Untersuchung sofort zustimmen, denn ihm ist "eine Warnung lieber, als wenn andere und ich in Gefahr sind", und er fügte noch hinzu: "Ich habe eine kleine Tochter, die im August acht wird." Die Brummi-Kapitäne waren sich darüber einig, dass in ihrem Beruf ein regelmäßiger Schlafrythmus schwer zu finden sei. Einerseits gebe es klare Vorschriften bezüglich der Lenkzeiten, auf der anderen Seite seien da die Speditionen, die sich wenig für diese Vorschriften interessierten und die Fahrer dadurch unter Druck setzten. Insgesamt zeigten sich die Befragten gegenüber den Vertretern der SHG aufgeschlossen. Die Bereitwilligkeit, sich untersuchen und gegebenenfalls behandeln zu lassen. besaßen alle. Das Informationsmaterial wurde interessiert entgegengenommen. Ärzte-Zeitung Ärzte Zeitung, am 31.10.2006 Fahrtest belegt: Atemtherapie senkt Unfallrisiko bei Schlaf-Apnoe Bremsreaktion nach Therapie mit kontinuierlicher Überdruckbeatmung verkürzt GRENOBLE (ikr). Patienten mit Schlafapnoe haben infolge der Tagesschläfrigkeit ein erhöhtes Risiko für Autounfälle. Dieser bereits im Fahrsimulator nachgewiesene Zusammenhang hat sich jetzt auch in echten Fahrsituationen bestätigt. Erhielten die Betroffenen eine CPAP (Continuous Positive Airway Pressure)-Beatmung, normalisierte sich die Fahrtüchtigkeit.
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