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Der Horror-Trip zur HNO-Klinik

Ich möchte darüber berichten, wie es mir nach einer Kontrolle meiner Schlafapnoe im Schlaflabor ergangen ist. Anlässlich dieser Kontrolle wurde bei mir festgestellt, dass der Beatmungsdruck um etwa 50 Prozent auf 12 mbar erhöht werden musste. Anlass für den behandelnden Arzt, Überlegungen anzustellen, was man zur Reduzierung dieses hohen Druckes sonst noch tun könnte. Er verordnete mir einen Besuch in einer landesweit angesehenen Universitäts-HNO-Klinik, um mich dort auf mögliche operative Maßnahmen untersuchen zu lassen.

Es begann Ende Januar mit der Bitte um einen Termin, der mir dann bereits für den 30. April, 9:30 Uhr zugesagt wurde. Zum besagten Termin war ich bereits um 8:45 Uhr an der Anmeldung und "schon" um 9:15 Uhr in der Ambulanz, wo mich eine nette junge Frau mit mangelhaften deutschen Sprachkenntnissen empfing und einen Fragebogen schwenkte, den sie gemeinsam mit mir ausfüllen wollte.

Also ran an die Anamnese, die doch die Basis aller erfolgreichen Arbeit ist, wie sie sagte. Nur leider hatte sie große Schwierigkeiten mit dem Ausfüllen des Fragebogens, und ich stellte außerdem fest, dass es bei diesem Fragebogen um die Aufnahme ins Schlaflabor ging, wo ich doch gerade herkam und nicht schon wieder hin wollte. Mein diesbezüglicher Einwand veranlasste sie das erste Mal zum Chef zu laufen, um bei diesem rückzufragen, was sich danach noch zwei Mal wiederholte und mir die Bemerkung entlockte, dass sie wohl mit mir total überfordert sei.

Das wiederum führte dazu, dass der Chef mich schließlich persönlich empfing und mir verkündete, dass die Dame in den OP abberufen worden sei und ich auf einen Dr. B. warten sollte. Also zurück ins Wartezimmer und eine weitere Geduldsprobe, bis mich um 10:45 Uhr Herr Dr. B. zu sich bat. Der hatte dann auch in fünf Minuten die Anamnese erledigt, mich untersucht und mir den Vorschlag unterbreitet, mein Problem detailliert mit Dr. V., der Kapazität in Deutschland auf diesem Gebiet, zu besprechen. Der sei zwar momentan noch im OP, aber das Warten auf ihn würde sich für mich lohnen, da ich von ihm den fachlich qualifiziertesten Rat bekäme. Also erneutes Platznehmen im Wartezimmer und endlich um 14:45 Uhr wurde ich wieder aufgerufen und dann von Dr. B. dem hoch gepriesenen Dr. V. vorgestellt. Jetzt nahm das Drama erst richtig seinen Lauf. Der durchaus sympathische Chefarzt breitete ein Horror-Szenario vor mir aus, welches sich schlimmer niemand ausdenken kann.

Er schlug folgende operativen Maßnahmen vor: Zunächst sollte die Nasenscheidewand unter Vollnarkose begradigt werden. Damit ließe sich wahrscheinlich der Beatmungsdruck um 1 mbar senken, so Dr. V. In einem 2. Schritt: sollte das Gaumensegel mittels Laser bei örtlicher Betäubung gestrafft werden. Weiterhin empfahl er, ebenfalls bei lokaler Narkose und mit meiner Mitarbeit, die Festigung des Zungengrunds, die durch den Einsatz einer Hitzebehandlung mittels zwei heißen Drähten, die kurzzeitig in die Zungenwurzel hinein-gestochen werden und zu einer Vernarbung führen, erreicht wird. Wie er sagte, tut das etwa eine Woche weh, muss aber insgesamt drei Mal, jeweils nach zwei Wochen, wiederholt werden. Meine "Begeisterung" war grenzenlos, mein Gesicht wurde immer länger.

Wo war ich hier? War dies ein Besuch bei Frankenstein? Aber es kam noch besser. Auf meine erschrockenen Einwände antwortete er: "Also, da könnte ich ihnen noch eine Alternative anbieten ....unter dem Kinn, über dem Kehlkopf machen wir einen Schnitt, dann fixieren wir die beiden Knöchelchen, die in der Zungenwurzel sind, am Kehlkopf." In meinem Kopf war ein einziges Chaos, ein schwacher Einwand: "Herr Doktor, ich bin doch keine 20 mehr" , kam über meine Lippen.

Dann zog mein charmanter Chefarzt die letzte Trumpfkarte aus dem Ärmel: "Also, auf nicht-invasive Weise könnte man mit der elektrischen Zungengrund-Stimulation einen Versuch machen. Wir haben dieses Verfahren in einer Studie untersucht und hatten bei 80 - 85 Prozent der Patienten Erfolg damit." Als ich die Beschreibung des Verfahrens hörte, war mein erster Gedanke: Eine Elektrode unter der Zunge, eine weitere unter dem Kinn, fliegt mir jetzt die Zunge davon? Er antwortete mir: "Nein, man kann es ertragen, man gewöhnt sich daran!"

Ich entschied mich, ziemlich geschockt, erst einmal mein Glück mit der letztgenannten Methode zu versuchen. Um 15:10 Uhr wurde ich endlich entlassen und war noch einmal Frankensteins Gruselkabinett entkommen.

Inge B.-B. (SHG Frankfurt)

 

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