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Anteil freiwilliger Feuerwehrfrauen in Niedersachsen steigt weiter an
«Frauen sind Katastrophen... gewachsen», steht auf einem Plakat an der Eingangstür der Feuerwehr Wennigser Mark. Im Inneren des Feuerwehrhauses wartet die Feuerwehrpuppe «Armanda» auf ihren nächsten Einsatz. Und auch im Feuerwehrauto sitzen Frauen: Renate Piel und Elke Struß sind die beiden Ortsbrandmeisterinnen der Wennigser Mark. Ungewöhnlich ist das nicht mehr: Seit Frauen 1978 in der Freiwilligen Feuerwehr in Niedersachsen zugelassen wurden, steigt ihr Anteil nach Angaben des Innenministeriums immer weiter an. Ende 2009 betrug der Frauenanteil bereits mehr als zehn Prozent.
Karla Weißfinger vom Landesfeuerwehrverband Niedersachsen sieht in den Frauen ein unverzichtbares Potenzial für die Feuerwehr. Viele Männer seien in ihrem Beruf verstärkt gefordert und arbeiteten oft weit von der Gemeinde entfernt. So manche Frau hingegen könnte zwischen Kinderbetreuung und Haushalt auch mal im Feuerwehrauto ausrücken. «Die Feuerwehraufgaben müssen jetzt auf die etwas schwächeren Schultern der Frauen verteilt werden», sagt Weißfinger.
Dabei sind Feuerwehrfrauen für Weißfinger nicht nur zweite Wahl. «Diese Arbeit ist auch eine Sache der Beharrlichkeit. Es geht nicht nur darum, 100 Kilogramm zu stemmen. Wir Frauen sind oft zäher», sagt Weißfinger, die als einzige Frau im Vorstand des Landesfeuerwehrverbandes sitzt. «Und unser Quasselfaktor ist auch nicht schlecht. Manchmal brennt die Seele, damit können Frauen besser umgehen.» Oft seien es Frauen, die ein erlösendes Gespräch initiierten.
Die Zahl der aktiven Feuerwehrleute in Niedersachsen ist nach Angaben des Innenministeriums deutlich zurückgegangen. Ende 2008 zählten die freiwilligen Wehren landesweit noch rund 126.500 Mitglieder, das seien sieben Prozent weniger als zehn Jahre zuvor. Für den Rückgang sind allein die Männer verantwortlich. «Die Männer wissen: Sie brauchen jeden, der zupacken kann», sagt Weißfinger. «Und wer in einem brennenden Auto sitzt, dem ist es egal, ob die helfende Hand männlich oder weiblich ist.»
Blöde Sprüche oder Vorbehalte gegenüber den weiblichen Feuerwehrkräften haben die 53 Jahre alte Brandmeisterin Renate Piel und ihre 41-jährige Stellvertreterin nie zu hören bekommen. «Entweder sie akzeptieren uns voll, oder wir hätten es nicht gemacht», sagt Piel. Die Männer seien froh gewesen, als die beiden Frauen 2003 das Ehrenamt übernahmen. «Es waren keine Männer da», erklärt Piel die Notlage. Wer in Hannover arbeite, sei im Notfall bereits zu weit vom Einsatzgebiet Wennigser Mark entfernt. Piel jedoch ist die örtliche Standesbeamtin, Struß arbeitet im Sozialamt.
Wenn die Sirene losgeht, packen die beiden an: Verkehrsunfälle, Baumschäden, vermisste Personen und natürlich auch Feuer wissen sie zu meistern. «Wir sind eben Mädchen für alles. Im wahrsten Sinne des Wortes», meint Struß. Neben Übungen und Einsätzen dürfen sie auch Sitzungen und Versammlungen leiten, besuchen Geburtstage von Vereinsmitgliedern, gehen Kegeln und organisieren Doppelkopfturniere.
Eine Sonderbehandlung wollen die Damen nicht. Schwere Stiefel und Helme gehören eben zu allen Feuerwehrleuten. «Was passt, wird angezogen», sagt Piel. Frauengrößen gebe es nicht. Ihren Schmuck lege sie nebenher im Auto ab, während sie in den Einsatz fährt. Und doch entdeckt die Ortsbrandmeisterin einen kleinen Unterschied zwischen den Geschlechtern: Andere Ortsfeuerwehren mit männlicher Führungsriege blickten neidisch auf ihr Feuerwehrauto, weil es nicht kaputt ginge. «Wir Frauen gehen eben besser damit um.»
In die Berufsfeuerwehr hingegen schaffen es nur wenige Frauen. 1,3 Prozent der hauptberuflichen Feuerwehrleute seien derzeit weiblich, sagt Susanne Klatt, Vorsitzende des Netzwerks Feuerwehrfrauen und selbst Wachabteilungsleiterin der Essener Feuerwehr. «Schon kleine Mädchen wissen gar nicht, dass man Feuerwehrfrau als Beruf wählen kann», nennt Klatt einen der Gründe für die niedrige Quote. «Und kaum eine Frau kann sich vorstellen, den Schichtdienst mit einer Familie zu vereinbaren - was sehr gut geht.»
Bei der Berufsfeuerwehr werden Einstellungstests durchgeführt, bei denen zumeist die gleichen Anforderungen für Männer und Frauen gelten. Klatt fordert, dass die körperlichen Prüfungen keine Sporttests mehr sein sollen, sondern berufsbezogene Tests. «Schläuche hinter sich herziehen, Personen schleppen, im Dunkeln herumkriechen - das würden wir uns im Test wünschen.» Niedrigere Einstellungsvoraussetzungen für Frauen lehnt sie strikt ab. (dpa)

