Experte: Kinderlähmung kann eingeschleppt werden

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Freitag, 09.07.2010

Experte: Kinderlähmung kann eingeschleppt werden

Kinderlähmung wird nach Meinung eines Experten wieder zum Thema. «Die Erkrankung steht vor der Haustür», sagte der Leiter der Niedersächsischen Gesellschaft für Impfwesen und Infektionsschutz (NGI), Prof. Adolf Windorfer, am Donnerstag in Hannover. Die Situation in Deutschland sei zwar nicht bedrohlich. Aber die Krankheit könne langfristig gesehen eingeschleppt werden.

Im Frühjahr seien 650 Fälle von Kinderlähmungen in Tadjikistan registriert worden. Auch nach Russland, das seit mehreren Jahrzehnten poliofrei war, wurde wieder die Kinderlähmung eingeschleppt. «Es waren zwar nur acht Fälle. Aber es zeigt, wie schnell eine solche Ausbreitung möglich ist», sagte Windorfer. Da Usbekistan zunehmend für Touristen attraktiver geworden sei, könnte auch aus dem Land die Krankheit eingeschleppt werden.

Als «Gefahrenregionen» gelte der gesamte afrikanische Bereich, der gesamte Nahe Osten, Zentralasien und der gesamte subindische Kontinent. Der Impfschutz dürfe bei einer Reise in diese Gebiete nicht mehr als zehn Jahre zurückliegen, sagte Windorfer. Deshalb sei eine Auffrischung der Polio-Impfung ratsam. Die Kosten übernähmen die Krankenkassen. Ein gegen Kinderlähmung geimpfter Mensch kann den Virus innerhalb von bis zu 14 Tagen zum Beispiel durch Nahrung oder über die Hände übertragen werden, sagte Windorfer.

1982 wurde die Pockenimpfpflicht in der Bundesrepublik aufgehoben. In Deutschland sind jedoch 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen geimpft. Seit 1990 gebe es keine Kinderlähmung mehr, sagte Windorfer. 2002 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die gesamte europäische Region als frei von Kinderlähmung. (dpa)

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