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SPD: Hausärztemangel mit Ausbildungsreform begegnen
Mehr Lehrstühle, gezielte Stipendien, bessere Weiterbildungsmöglichkeiten, spezielle Programme für Existenzgründer aus der Sicht der SPD-Landtagsfraktion kann der Hausärztemangel auf dem Land nur mit einer grundlegenden Reform der medizinischen Ausbildung verhindert werden.
«Ansonsten laufen wir sehenden Auges in einen Hausarztmangel», sagte Uwe Schwarz, stellvertretender Fraktionschef und sozialpolitischer Sprecher der SPD am Donnerstag in Hannover. Derzeit würden sich nur etwa 50 Medizinstudenten pro Jahr für den Beruf des Allgemeinmediziners entscheiden. Bis 2020 würde dies im Land zu einem Mangel von etwa 1000 Hausärzten führen.
Landarzt nur noch ein Auslaufmodell?
Dabei ist die Ärztezahl in den vergangenen Jahren laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) sogar leicht gestiegen, betonte Schwarz. Die Mediziner würden sich aber meist in bevölkerungsreichen Räumen ansiedeln. «Der Landarzt wird langsam zum Auslaufmodell», sagte der SPD-Politiker. Auch würden sich junge Mediziner bereits im Studium wegen finanzieller Anreize lieber für eine Facharztstelle entscheiden. So würde ein Radiologe derzeit netto etwa 265.000 Euro pro Jahr verdienen, ein Hausarzt «nur» 116.000 Euro.
Um diese Entwicklung aufzuhalten, muss aus Sicht der SPD die Attraktivität des Landarztberufes verbessert werden. Die Landesregierung müsse dazu in einem ersten Schritt gezielte Anreize anbieten, um mehr Studenten für die Allgemeinmedizin zu begeistern.
Denkbar wären Stipendien und mehr Lehrstühle. «Eine Verdoppelung von derzeit einem auf zwei Lehrstühle wäre schon eine Menge», sagte Schwarz. CDU und FDP betonten daraufhin, dass die Lage bereits frühzeitig erkannt worden sei und die Regierung unter anderem an einem «Runden Tisch» an entsprechenden Maßnahmen arbeiten würde.
«Medizin wird weiblich»
Darüber hinaus fordert die SPD mehr Weiterbildungsstellen, Beratungsangebote für Kommunen in unterversorgten Gebieten und Existenzgründerprogramme. Auch müsse versucht werden, die «hohe Zahl» von derzeit untätigen Ärzten zu verringern. Bei der Planung berücksichtigt werden müsse auch die wachsende Zahl von Medizinerinnen. «Medizin wird weiblich», sagte Schwarz. Mehr als 60 Prozent der Studierenden an medizinischen Hochschulen seien Frauen.
Versorgungslage in Niedersachsen sehr unterschiedlich
2009 praktizierten in Niedersachsen 5.053 Allgemeinmediziner. Während die Versorgungslage in und um Hannover, Osnabrück, Hildesheim sowie im Wendland und in Ostfriesland noch «im grünen Bereich» ist, ist der Mangel in vielen anderen Regionen schon deutlich spürbar. So würden im Kreis Gifhorn etwa nur 80 Prozent der benötigen Hausärzte arbeiten. Auch in Wolfenbüttel, Wolfsburg, Braunschweig und im Emsland stünden viele Praxen leer. (dpa/lni)

