Lebenswerter Alltag für demente Menschen

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Donnerstag, 07.01.2010

Lebenswerter Alltag für demente Menschen

Hüsselhuus in Himmelpforten bietet alternatives Wohnprojekt

Das Hüsselhuus in Himmelpforten bei Stade ist eine ambulant betreute Wohngemeinschaft. Wie in einer Familie leben dort acht bis zehn schwerstdemente Menschen.

Weil ein herkömmliches Wohn- und Pflegeheim demente Menschen oft ängstigt und Angehörige mit der häuslichen Pflege schnell überfordert sind, hat der Verein Herbstzeitlose ein Konzept für ambulante Wohngemeinschaften entwickelt und mit dem Hüsselhuus 2003 selbst in die Praxis umgesetzt. "Ich will später auch nicht ins Heim", beschreibt Hüsselhuus-Initiatorin und Vereinsvorsitzende Regina Fleck ihre Motivation, die Lebensqualität von demenzkranken Menschen und deren Angehörigen zu verbessern. "Ich habe im Heim gearbeitet", ergänzt Hauswirtschafts- und Pflegekraft Uschi Hilbert, "ich konnte das nicht mehr, weil meine Vorstellungen sich dort nicht umsetzen ließen."

Essen im Hüsselhuus
Wohnprojekt dementer Menschen: Im Hüsselhuus werden sie geduldig und herzlich umsorgt. Rechts: Initiatorin Regina Fleck.

Der Alltag kann für schwerstdemente Menschen bis zum Lebensende lebenswert sein. Manche können noch im Haushalt helfen. Viele sind aber auch so pflegebedürftig, dass sie nicht mehr alleine essen oder sich anziehen können. Die Angehörigen übernehmen als Vereinsmitglieder im Hüsselhuus dann die Betreuung selbst oder organisieren sie, indem sie Hauswirtschafterinnen einstellen und einen Pflegedienst beauftragen. Zusätzliche Hilfe kommt von Ärzten, Laien, Freiwilligen und vom Hospizdienst. Inzwischen hat das Hüsselhuus nämlich eine zusätzliche Hospizfunktion übernommen, weil es die Bewohner auch in der Sterbephase bis zum Schluss begleitet.

Für ganz wichtig hält es Regina Fleck, dass die Angehörigen als eine Art Beirat im Verein einbezogen sind und mitbestimmen, was gemacht wird. Sie können selbst in der Betreuung mitarbeiten, entscheiden zusammen mit den Betreuten und geben sie nicht nur ab. Der Verein Herbstzeitlose berät und begleitet die Angehörigen. Über die eigene Mitarbeit kann ein finanzieller Nachteil ausgeglichen werden. Alle Bewohner sind zwar in der Pflegestufe III, aber erhalten nicht den Pflegesatz für stationäre Einrichtungen, sondern nur das Pflegegeld oder die Kombi-Leistung.

Ein professionelles TV-Team drehte den Film "Das Hüsselhuus - ein wunderbarer Ort”. Das Stader Tageblatt schrieb dazu: "Er zeigt Eindrücke aus dem Alltag und eine ausgesprochen liebevolle Atmosphäre, trotz der vergesslichen Menschen. ‚Ich weiß nicht', antworten sie häufig. Manchmal sind sie schroff und mürrisch. Aber sie werden nicht allein gelassen, sondern geduldig und herzlich umsorgt. Der Film geht dicht ran an die Menschen. Er verschweigt nicht, wie bedrückend der Verlust des Gedächtnisses ist. Aber er zeigt einen erstaunlich entspannten und familiären Umgang damit". Eine DVD mit dem 30-minütigen Film von Regisseurin Claudia Dejá über das Hüsselhuus kann für eine Schutzgebühr von zehn Euro (plus zwei Euro für Versand) beim Verein Herbstzeitlose bezogen werden. (hgf)


Kontakt: Regina Fleck, Kirchweg 9, 21640 Bliedersdorf, Telefon: (04163) 824835, Herbstzeitlose.ev@gmx.net, www.herbstzeitlose.org.

Schlagworte zu dieser Seite: Hüsselhuus, Demenz, Wohngemeinschaft

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