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Kommentar: Barrieren abbauen
Seit fast 20 Jahren findet am 5. Mai der "Europaweite Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung" statt. Ist ein solcher Aktionstag noch zeitgemäß angesichts der erreichten behindertenpolitischen Meilensteine der letzten Jahre? Ich denke, ja. Denn Gesetze sind das eine, die praktische Umsetzung - und da hakt es an manchen Stellen noch gewaltig - ist das andere.
In der Tat, der VdK und andere Behindertenverbände haben schon viel erreicht: 1994 den Zusatz im Grundgesetz "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden", 2001 das Sozialgesetzbuch IX, das auf Teilhabe anstelle von Fürsorge setzt, 2002 das Behindertengleichstellungsgesetz, 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und 2009 die Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention. Doch jetzt müssen diese Gesetzeswerke mit Leben erfüllt werden, so dass die Menschen mit Behinderung auch im Alltag auf so wenig Barrieren wie möglich stoßen. Da gibt es noch viel zu tun.
Selbstbestimmung und Gleichberechtigung
Solange behinderte Menschen Schwierigkeiten haben, Dinge zu unternehmen, die für jeden anderen selbstverständlich sind wie Bahn fahren oder der Besuch von Schulen, Universitäten, Kinos, Theatern und Gaststätten, haben wir das Ziel einer selbstbestimmten und gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für diese große Bevölkerungsgruppe noch nicht erreicht.
Oder wenn 30.000 deutsche Betriebe keinen einzigen Schwerbehinderten beschäftigen, dann darf die Politik nicht tatenlos zusehen. Wie lange dauert es eigentlich noch, bis es zu allen Personalchefs in der Bundesrepublik durchgedrungen ist, dass Menschen mit Behinderung hochmotivierte Arbeitnehmer und ein Gewinn für jedes Unternehmen sind?
Und es muss auch in Deutschland endlich die Regel sein, dass behinderte Kinder die Regelschule besuchen, Förderschulen nur in begründeten Ausnahmefällen. Das Wichtigste jedoch ist, dass die Barrieren in den Köpfen der Entscheidungsträger abgebaut werden. Krankheit und Behinderung können jeden zu jeder Zeit von heute auf morgen treffen - auch Politiker. Nur vier Prozent aller Behinderungen sind angeboren. Die meisten Behinderungen werden durch eine Krankheit oder einen Unfall verursacht. Und wir haben es nicht mit einer Randgruppe zu tun. In Deutschland leben acht Millionen Menschen mit einer Behinderung.
Mut macht die Begeisterung der Fernsehzuschauer für die Paralympics. Die behinderten Spitzensportler, allen voran die fünffache Goldmedaillengewinnerin, das VdK-Mitglied Verena Bentele, haben eindrucksvoll unter Beweis gestellt, zu welchen Ausnahmeleistungen Menschen mit Behinderung in der Lage sind. Behinderte wollen kein Mitleid, sondern Respekt, Achtung und Anerkennung. (Ulrike Mascher)



