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Kommentar: Pflegebenotung mangelhaft
Das klingt zunächst nicht schlecht: Pflegeheime und Pflegedienste werden einer Qualitätsprüfung unterzogen und anschließend benotet.
Diese Art "Pflege-TÜV" soll für mehr Transparenz bei den Angeboten von Heimen und ambulanten Diensten sorgen und die Suche nach einer guten Pflegeeinrichtung erleichtern. Benotet werden vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) vier Qualitätsbereiche: "Pflege und medizinische Versorgung", "Umgang mit Demenzkranken", "Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung" sowie "Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene". Bei der Bewertung lehnt man sich bewusst an die Schulnoten 1 (sehr gut) bis 5 (mangelhaft) an, die der Bevölkerung auch von Testberichten der Stiftung Warentest geläufig sind. Die Ergebnisse werden im Internet (www.pflegelotse.de) veröffentlicht. So weit, so gut.
Der entscheidende Schwachpunkt des Pflege-TÜVs liegt aber darin, dass alle Prüfkriterien gleich gewichtet sind. Eine Fünf wegen unbehandelter Druckgeschwüre lässt sich durch eine Eins für einen gut lesbaren Speiseplan ausgleichen. Genau das funktioniert in der Schule aus gutem Grund nicht. Eine Fünf im Vorrückungsfach Mathematik
lässt sich nicht durch eine Eins in Sport ausgleichen. Und bei den Produkttests der Stiftung Warentest gibt es K.-o.-Kriterien für entscheidende Fragen der technischen Sicherheit und der Hygiene. Da kann der Tiefkühlfisch noch so gut aussehen oder schmecken, wenn er zu viel Keime enthält, führt das zur Gesamtnote "Mangelhaft" - ganz egal, wie die anderen Noten, zum Beispiel für Verpackung, ausfallen.
Deshalb muss dieses Pflegebenotungssystem schleunigst geändert werden. Eine unzureichende Flüssigkeitsversorgung sollte zum Beispiel immer die Gesamtnote Fünf nach sich ziehen. Sonst setzt sich die Entwicklung fort, dass fast 70 Prozent der deutschen Pflegeheime die Noten "Gut" oder "Sehr gut" erhalten, was nach Ansicht von Pflegeexperten ein falsches, zu positives Bild von den Zuständen in Pflegeheimen zeichnet. Wer also die Testberichte im Internet abruft, sollte sich gezielt die Ergebnisse des Qualitätsbereichs 1 "Pflege und medizinische Versorgung" mit all seinen Unterpunkten ansehen. Wenn in diesem Kernbereich schlechte Noten vergeben wurden, sollte man das betroffene Heim besser meiden.
Grundsätzlich gilt: Ein menschenwürdiger, respektvoller Umgang des Pflegepersonals mit Pflegebedürftigen lässt sich nur schwer messen und benoten, den muss man erleben. Deshalb empfehle ich allen Pflegebedürftigen und Angehörigen bei der Auswahl eines Pflegeplatzes: Machen Sie sich selbst ein Bild. Besuchen Sie die Einrichtung zu unterschiedlichen Tageszeiten. Schauen Sie genau hin, achten Sie auf Geräusche und Gerüche, sammeln Sie Eindrücke mit Augen, Ohren und Nase, sprechen Sie mit Bewohnern. Diese persönlichen Eindrücke kann kein Testbericht ersetzen. (Ulrike Mascher)



